Islamic Banking: Von Malaysia nach Deutschland

06.06.2012

Renditestark, krisenfest und ethisch: Islamische Finanzprodukte sind heiß begehrt. Ein Unternehmen aus Malaysia will nun mit islam-konformen Fonds auf den deutschen Markt.

Der Vorstandschef von CIMB Principal aus Malaysia ist eine Frau. Noripah Kamso aus Malaysia trägt offenes Haar, roten Lippenstift, silberne Ohrringe und sagt: “Ich möchte das neue iWort mit Ihnen teilen. Es steht nicht für iPad, iPhone oder Inflation - es steht für Islamic Banking.“

Vor der Presse in Frankfurt präsentiert sie ihren Investmentfonds - der einzige islamische Fonds, der bei der Aufsichtsbehörde BaFin in Deutschland registriert ist. Ihr Ziel ist klar: Sie will neben den rund vier Millionen in Deutschland lebenden Muslimen auch nicht-muslimische Investoren für die gewinnen. Weltoffenheit sowie Werben um Rendite und Werte der islamischen Geldanlagen sind die Strategie von CIMB Principal.

Kein Zins, keine Wetten, kein Schweinefleisch…

 

Koran-konforme Geldanlagen gibt es seit den 70er Jahren. Grundsätzlich gilt: Zinsen, hochspekulative Geschäfte und Wetten sind verboten. Außerdem darf kein Geld in Unternehmen fließen, die Alkohol herstellen; Prostitution, Pornographie oder Glücksspiel fördern und mit Schweinefleisch handeln. Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihres Unternehmenswertes an Schulden haben, sind auch ausgenommen.

Damit trotzdem Geld verdient wird, bedienen sich islam-konforme Finanzprodukte bestimmter Tricks. Auf einem Konto erhält der Kunde beispielsweise keine Zinsen - es ist aber gängige Praxis, dass die Bank jährlich etwas dazusteuert, schließlich kann sie mit dem Geld in der Zeit selbst Gewinne erzielen. Überwacht wird die Islam-Konformität von einem Zusammenschluss von Nationalbanken aus muslimischen Ländern. Deutschland kommt auf 27 börsennotierte Unternehmen, die bei CIMB Principal als koran-konform eingestuft werden - darunter auch BASF.

 

Das Volumen der islamischen Finanzwirtschaft liegt heute bei rund 1.2 Billionen Euro und wächst jährlich um mehr als 15 Prozent. Vor allem die Finanzplätze in Malaysia und in den Golfstaaten binden die Geschäfte an sich. Zwar macht Islamic Banking gerade mal ein Prozent der weltweiten Finanzwirtschaft aus, doch gerade seit der Finanzkrise sei klar, dass immer mehr Menschen nach alternativen Geldanlagen suchten, sagt Daud Abdullah, Präsident der “Global University of Islamic Finance“ in Kuala Lumpur. “Hätten die Menschen mehr auf Islamic Finance gesetzt, dann wäre die Welt nicht in solche Probleme geraten. Dann hätten wir keine hochspekulativen Instrumente gehabt, die keinen wirtschaftlichen Nutzen bieten, und die Länder hätten sich nicht so hoch verschuldet.“

...und trotzdem Gewinne

 

Den ersten Aufschwung erlebten islamische Finanzprodukte nach dem 11. September, weil viele Araber ihr Geld aus den USA abgezogen hätten. Einiges davon sei dann bei islam-konformen Fonds in Malaysia und den Golfstaaten gelandet, sagt der konvertierte Wissenschaftler Daud Abdullah. Den zweiten Schub bekamen die Produkte durch die Finanzkrise, die sie sogar mit einem Plus überstanden. So hat sich der "Dow Jones Islamic Market Titans Index", der die größten 100 islam-konformen Unternehmen in Europa, den USA und Asien abbildet, in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt. Gerade deshalb interessieren sich auch immer mehr Nicht-Muslime für die Anlageform, sagt Daud Abdullah: "Islamic Finance ist für jedermann. Wenn man es global betrachtet, dann sind schon 60 Prozent der Investoren nicht muslimisch."

Erst die Muslime, dann die anderen

In der ersten Phase will CIMB-Principal aber die rund vier Millionen Muslime in Deutschland für die Anlage begeistern. Die Chancen dafür stünden gut, denn laut Studien von CIMB Principal möchten 23 Prozent der deutschen Muslime in eine islamische Geldanlage investieren. "Die meisten Muslime in Deutschland sind ja schon aus der zweiten und dritten Generation. Viele von denen haben gute Jobs", sagt Vorstandschefin Noripah Kamso. In einer zweiten Phase sollen dann die Nicht-Muslime überzeugt werden.

 

Doch die Vorzeichen für einen Erfolg sind nicht besonders gut. Anders als in Großbritannien, wo schon mehrere solcher Fonds seit längerem verkauft werden, gibt es auf dem deutschen Markt wenig Erfahrung. "Deutsche Banken sind mittlerweile dabei, islamische Anleiheportfolios oder Investmentfonds bereit zu stellen", so der Manager Karim Zaazou. "Aber sie bieten diese Produkte eben nur in arabischen Ländern an, um an einen Teil der Petrodollars zu kommen."

Skandal wirft Schatten

In Deutschland gab es schon schon erste Versuche, mit solchen Produkten zu punkten. Die Commerzbank bot einen Fonds an und das Land Sachsen-Anhalt gab in den 90er Jahren einen sogenannten Sukuk heraus, also eine islam-konforme Anleihe. Allerdings gab es vor zehn Jahren einen Skandal mit islam-konformen Anteilsscheinen. Beinahe 300.000 Muslime in Deutschland investierten in das sogenannte "Konya Modell" und sahen den türkischen Betreibern zu, wie sie mit ihrem Geld verschwanden. Der Schaden wird auf fünf Milliarden Euro geschätzt.

 

Quelle: Deutsche Welle